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"Mir geht es darum, wie im Mikrokosmos Medizin Menschen miteinander interagieren."

7. Mai 2026

Lohfert-Preis

Das Menschliche sichtbar machen, ohne Scheu vor schwierigen Momenten, vielmehr mit Ruhe und Geduld die Perspektive der Menschen ins Bild bringen. Das kann Bertram Solcher. Er begleitet den Lohfert-Preis mit seinen Fotoreportagen von Beginn an.

Bertram Solcher ist schon als junger Teenager zu Fotografie gekommen. Er hat dann aber zunächst Medizin studiert, bevor er als Fotojournalist für den Stern, GEO oder SPIEGEL um die Welt gereist ist. Inzwischen widmet er sich mit seiner Kamera verstärkt der Medizin. Seine Fotoreportagen sind zentraler Bestandteil des Lohfert-Preises. Seine Bilder helfen, die Patientenorientierung der ausgezeichneten Projekte begreifbar zu machen.

Kurz vor der Bekanntmachung des nächsten Lohfert-Preisträger haben wir mit ihm gesprochen – über seine Erlebnisse im Klinikalltag, insbesondere bei den Lohfert-Preisträgern, über visuelle Empathie und warum echte Bilder mehr erzählen als jede KI.

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Mediziner und Fotograf: Bertram Solcher, Foto: Michael Rauhe
Mediziner und Fotograf: Bertram Solcher, Foto: Michael Rauhe

Warum ist Fotografie in der Medizin wichtig?

Medizinfotografie geht über reine Dokumentation hinaus. Sie eröffnet einen Zugang zu Fragen wie:

  • Wie erleben Patientinnen und Patienten ihre Behandlung?
  • Wie zeigt sich Patientenorientierung im Klinikalltag?
  • Welche Rolle spielt Kommunikation in der Versorgung?

Durch visuelle Eindrücke werden diese Aspekte greifbar. Fotografie kann damit ein wichtiges Instrument sein, um Qualität im Gesundheitswesen sichtbar zu machen und Diskussionen über Verbesserungen anzustoßen.


Das Interview im Einzelnen

Vom ersten Lichtbild 1826 zum Digital-Bild 2026: Was ist Medizinfotografie? Was macht Bertram Solcher?

Solcher beschreibt die klassische Medizinfotografie als dokumentarische, wissenschaftlich arbeitende Disziplin. Seine eigene Arbeit grenzt er davon ab: Ihn interessiert vor allem der Mensch hinter Technik und medizinischem Prozess. Im Fokus stehen für ihn die Interaktionen und individuellen Erfahrungen von Patient:innen, Pflege und Ärzt:innen.

03:52 – „Die goldenen 90er“: Der Weg zur Fotografie und Medizin

Sein Zugang zur Fotografie begann in der Schulzeit als Fotograf für den „Schwarzwälder Boten“. Erst nach dem Medizinstudium, zur Zeit des Mauerfalls und  Zusammenbruchs der Sowjetunion entwickelte sich eine Karriere im Fotojournalismus mit breitem Themenspektrum – von Politik bis Sport. Der Einstieg in die Medizinfotografie erfolgte erst später über zwei journalistische Aufträge in Hamburg – für die damaligen LBK-Kliniken und das berufsgenossenschaftliche Unfallkrankenhaus in Bergedorf. 

08:36 – Der Mensch im Mittelpunkt der Bilder

Eine Kamera ist eine schöne Entschuldigung, sich mit Menschen auseinandersetzen zu dürfen. Das ist wie eine Eintrittskarte. Man ist dann da, und es liegt an einem selbst, was man dann daraus macht. Ich habe anscheinend die Fähigkeit, relativ ruhig zu begleiten. Das ermöglicht dann Einblicke, die man sonst nicht bekommt. 

09:37 – Mit Kamera im Klinikalltag

Solcher beschreibt, wie er durch ruhiges Verhalten eine vertrauensvolle Atmosphäre schafft und wenig wie möglich in Abläufe eingreift. 

„Ich habe auch kein Problem, mich mit Menschen auseinanderzusetzen, die in für sie problematischen Situationen sind – und im Bedarfsfall lasse ich auch erstmal die Kamera liegen und unterhalte mich oder bin einfach erstmal nur da."

11:04 – Über die depressive Erkrankung seiner Tochter und wie das Lockdown-Fototagebuch zu einer Ausstellung mit der Fürstenberg Foundation führte

Aus einem Corona-Tagebuchprojekt, einer privaten Familien-Dokumentation während der Pandemie, entwickelte sich eine Bilder-Geschichte über die schwere Depression seiner Tochter, die große Resonanz auslöste. 

Zur Ausstellung

20 Bilder aus dieser Zeit wurden in einer gemeinsamen Ausstellung mit der Fürstenberg Foundation im Ernst Deutsch Theater in Hamburg gezeigt – mit über 500 Gästen bei der Vernissage. Besonders prägend für Bertram Solcher waren die persönlichen Gespräche mit den Gästen. Für ihn bedeutet „visuelle Empathie“, im Bild Emotionen festhalten zu können und Verständnis für komplexe Situationen zu fördern.

17:13 – Fotografieren im OP: Beobachten, nicht inszenieren

Stärkung der körpereigenen Blutreserven: Lohfert-Preis 2014 für Patient Blood Management, Universitätsklinikum Frankfurt und  DRK-Blutspendedienst Baden-Württemberg – Hessen gGmbH
Stärkung der körpereigenen Blutreserven: Lohfert-Preis 2014 für Patient Blood Management, Universitätsklinikum Frankfurt und DRK-Blutspendedienst Baden-Württemberg – Hessen gGmbH
Patientenbriefe nach stationären Aufenthalten: Lohfert-Preis 2022 für die „Was hab´ ich?“ gGmbH, Dresden, in Kooperation mit der Herzzentrum Dresden GmbH Universitätsklinik
Patientenbriefe nach stationären Aufenthalten: Lohfert-Preis 2022 für die „Was hab´ ich?“ gGmbH, Dresden, in Kooperation mit der Herzzentrum Dresden GmbH Universitätsklinik
„Sicherheit in der Kinderonkologie (SICKO) - Interprofessionelles Training und Innovationen für mehr Sicherheit von Patient:innen, Familien und Mitarbeitenden
„Sicherheit in der Kinderonkologie (SICKO) - Interprofessionelles Training und Innovationen für mehr Sicherheit von Patient:innen, Familien und Mitarbeitenden": Lohfert-Preis 2024 für die Medizinische Hochschule Hannover
Lohfert-Preis 2023 für „Charité PROMs Rollout – Integration der Patient:innenperspektive in die Routineversorgung
Lohfert-Preis 2023 für „Charité PROMs Rollout – Integration der Patient:innenperspektive in die Routineversorgung" der Charité – Universitätsmedizin Berlin unter Federführung des Charité Center for Patient-Centered Outcomes Research
„Carus Green – Nachhaltigkeit und höhere Umweltverträglichkeit
„Carus Green – Nachhaltigkeit und höhere Umweltverträglichkeit": Lohfert-Preis 2025 für das Universitätsklinikum Carl Gustav Carus Dresden

 

Im Operationssaal – wie beispielsweise hier im Bild die Herz-Lungen-Maschine bei einer Herz-OP – bewegt sich Solcher mit minimaler Ausrüstung und großer Zurückhaltung. Er versucht, Stimmungen zu erfassen und relevante Momente intuitiv zu erkennen. Dabei geht es ihm nicht um spektakuläre Technikbilder, sondern um Perspektiven, die die Sicht der Patient:innen und des Gesundheitspersonals abbilden.

Man kann das als Vorteil oder auch als Nachteil sehen: Ich kann mir keine Bilder bauen... Was ich aber kann, ist, Leute arbeiten lassen, und zwar so, wie sie normal agieren und sie dabei zu beobachten. Und das funktioniert.

21:40 – Über die Kunst der Vorbereitung und prägende Projekte: Von Frühgeborenen und Demenzkranken

Als besonders eindrücklich schildert Bertram Solcher Projekte, die unterschiedliche Lebensphasen abbilden. Dabei zeigten sich überraschende Parallelen in Ausdruck und Berührung, so, wie bei den beiden ersten Lohfert-Preis-Projekten, in der Neonatologie in Zürich und der dem demenzsensiblen Alfried-Krupp-Krankenhaus in Essen. Für Solcher verdeutlichen die Bilder die universelle Dimension menschlicher Bedürfnisse

Lohfert-Preis 2013: Kommunikationskompetenz für eine gute Entscheidungsqualität - Basiswissen Ethik im Zürcher Neo-Ethikmodell, UniversitätsSpital Zürich und Stiftung Dialog Ethik Zürich
Lohfert-Preis 2013: Kommunikationskompetenz für eine gute Entscheidungsqualität - Basiswissen Ethik im Zürcher Neo-Ethikmodell, UniversitätsSpital Zürich und Stiftung Dialog Ethik Zürich
Ständige (nonverbale) Kommunikation zwischen Demenz-Pflegeexpert:innen und Patient:in: Lohfert-Preis 2013 für Demenzmanagement »Blauer Punkt« am Alfried Krupp Krankenhaus, Essen
Ständige (nonverbale) Kommunikation zwischen Demenz-Pflegeexpert:innen und Patient:in: Lohfert-Preis 2013 für Demenzmanagement »Blauer Punkt« am Alfried Krupp Krankenhaus, Essen
Lohfert-Preis 2021 für das
Lohfert-Preis 2021 für das "Hamburger Modell": Integrierte und koordinierte Versorgung von Menschen mit schweren psychotischen Erkrankungen, Klinik und Poliklinik für Psychiatrie und Psychotherapie, Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf
Lohfert-Preis 2023 für „Charité PROMs Rollout – Integration der Patient:innenperspektive in die Routineversorgung
Lohfert-Preis 2023 für „Charité PROMs Rollout – Integration der Patient:innenperspektive in die Routineversorgung" der Charité – Universitätsmedizin Berlin unter Federführung des Charité Center for Patient-Centered Outcomes Research
Lohfert-Preis 2022  Patientenbriefe nach stationären Aufenthalten. Lohfert-Preis 2022 für „Was hab´ ich?“ gGmbH, Dresden, in Kooperation mit der Herzzentrum Dresden GmbH Universitätsklinik
Lohfert-Preis 2022 Patientenbriefe nach stationären Aufenthalten. Lohfert-Preis 2022 für „Was hab´ ich?“ gGmbH, Dresden, in Kooperation mit der Herzzentrum Dresden GmbH Universitätsklinik
Lohfert-Preis 2019 für die Vereinfachung und Vereinheitlichung der stationären Pflegedokumentation, Allgemeines Krankenhaus der Stadt Wien – medizinischer Universitätscampus
Lohfert-Preis 2019 für die Vereinfachung und Vereinheitlichung der stationären Pflegedokumentation, Allgemeines Krankenhaus der Stadt Wien – medizinischer Universitätscampus
Lohfert-Preis 2020 für Pharmakotherapie-Management Halle, Universitätsklinikum Halle
Lohfert-Preis 2020 für Pharmakotherapie-Management Halle, Universitätsklinikum Halle
Lohfert-Preis 2015 für MEDUSA – Medical EDUcation for Sepsis source control and Antibiotics, Universitätsklinikum Jena
Lohfert-Preis 2015 für MEDUSA – Medical EDUcation for Sepsis source control and Antibiotics, Universitätsklinikum Jena

Ich möchte Klischees vermeiden und eine Perspektive bieten, die es so noch nicht gegeben hat. Oder zumindest in diesem Zusammenhang noch nicht gegeben hat.

26:27 – Der Lohfert-Preis wirkt! Über nachhaltige Erfolge und schwierige Bedingungen

Viele der ausgezeichneten Projekten haben, betont Solcher, nachhaltige Veränderungen in der Medizin angestoßen. Projekte wie Patient Blood Management oder Sepsis-Früherkennung sind heute etablierte Standards. Die fotografische Begleitung kann diese Entwicklungen sichtbarer und nachvollziehbar machen. Auch unter schwierigen Bedingungen wie während der Corona-Pandemie haben sich bislang geeignete Wege gefunden, die Geschichte des Preisträgers zu erzählen. Entscheidend dabei ist die Zusammenarbeit mit den Akteur:innen vor Ort.

Zum Lohfert-Preis 2026

30:24 – Was unterscheidet Fotografie von KI-generierten Bildern? 

Fotografie, "zumindest im Zusammenhang mit Text", so Solcher, kann Emotionen und komplexe Situationen auf den Punkt bringen. Während KI bestehende Bildmuster reproduziert, bleibt die Fotografie unverzichtbar, um authentische Bilder und neue Perspektiven zu finden.

38:11 – Nicht alles, was das Foto spannend macht, ist auch für die Medizin spannend - und umgekehrt - über die Wirklichkeit als kreativer Moment und die Schönheit der Aortenklappe

Die Wirklichkeit ist häufig so viel spannender als alles, was wir uns am grünen Tisch ausdenken können.

42:24 - Wünsche für die Zukunft, unser Zusammenleben und die KI als Zeitgeber für mehr Patientenorientierung

Ich hoffe, dass unser Umgang unter uns Menschen respektvoller wird, als er vielleicht heute ist und dass dazu gehört, dass wir wieder lernen, genauer hinzugucken bzw. Leute für uns genauer hingucken zu lassen und uns nicht permanent mit Klischees und Vorurteilen beschäftigen. 

Also man kann optimieren und optimieren. Aber die Frage ist, was will man denn optimieren? Gerade im Medizinbereich werden … bestimmte ärztliche Handlungen durch KI oder durch Automatismen ersetzt werden können. Dadurch wird wieder mehr Zeit für die Menschen bleiben und vielleicht auch für die an dem Prozess Handelnden, also sprich auch Ärzte, Pflegende und alle die da drum gestrickt sind.

Hamburg, 28.04.2026


Zur Person

Bertram Solcher ist Fotograf und Mediziner. Seit mehr als 25 Jahren fotografiert er, angefangen mit Arbeiten für Tageszeitungen, nationale und internationale Magazine wie Stern, GEO oder SPIEGEL. Seit den frühen 2000er-Jahren widmet sich Bertram Solcher der Corporate Fotografie mit den Schwerpunkten Medizin, Wissenschaft und Technik. Bertram Solcher wird von der Agentur Laif vertreten. 

Mit seinem Gespür für Menschlichkeit, Intimität und den unsichtbaren Momenten, die im Klinik- und Gesundheitsumfeld oft unausgesprochen bleiben, begleitet er den Lohfert-Preis mit seinen Fotoreportagen von Beginn an. Bertram Solcher strebt danach, Bilder zu schaffen, die nicht nur dokumentieren, sondern verstehen lassen, wie Medizin, Forschung und Pflege im Alltag miteinander wirken. Zuletzt zeigte die Fürstenberg Foundation seine Ausstellung „Von der Dunkelheit ins Licht“ in Hamburg. Darin dokumentierte Bertram Solcher den Krankheitsverlauf seiner Tochter Janne während einer schweren Depression in der Corona-Pandemie. Die Geschichte wurde zudem im Stern veröffentlicht. 


FAQ Medizinfotografie*

Was ist Medizinfotografie?

Medizinfotografie dokumentiert und interpretiert medizinische Situationen. Sie zeigt sowohl klinische Prozesse als auch die Perspektiven von Patient:innen und Behandelnden.

Warum ist Fotografie im Krankenhaus wichtig?

Sie macht emotionale, soziale und kommunikative Aspekte sichtbar, die für die Qualität der Versorgung entscheidend sind.

Wie unterstützt Fotografie die Patientenorientierung?

Indem sie die Sichtweise der Patient:innen in den Mittelpunkt stellt und deren Erfahrungen nachvollziehbar macht.

*KI-generiert


Intro/Outro: www.kurtcreative.de / Äußerungen unserer Gesprächspartner:innen geben deren eigene Auffassungen wieder. Die Christoph Lohfert Stiftung macht sich Äußerungen ihrer Gesprächspartner:innen in Interviews und Beiträgen nicht zu eigen. Headerbild: Bertram Solcher für den Lohfert-Preis 2019 an das Projekt  Vereinfachung und Vereinheitlichung der stationären Pflegedokumentation, Allgemeines Krankenhaus der Stadt Wien – medizinischer Universitätscampus (AKH Wien).

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