Lohfert-Preis
Das zeigt ein Projekt des Uniklinikums Dresden, das die Jury des Lohfert-Preises 2026 lobend erwähnt hat. Wir haben mit der Projektleiterin Dr. Helena Jambor gesprochen. Sie arbeitet am Nationalen Centrum für Tumorerkrankungen am Universitätsklinikum Carl Gustav Carus Dresden und ist Dozentin für Data Visualization an der Applied University in Grison.
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Visuelle Therapiepläne können Patient:innen dabei helfen, ihre Behandlung besser zu verstehen. Die Pläne zeigen den geplanten Therapieverlauf auf einem Zeitstrahl, als übersichtliche Abfolge von Schritten und dienen so als Orientierungshilfe während der gesamten Behandlung. Ärzt:innen nutzen die Ausdrucke im Aufklärungsgespräch, um einzelne Behandlungsschritte zu erläutern. Pflegekräfte setzen die Pläne ein, um Fragen von Patient:innen schnell und verständlich zu beantworten. So entsteht ein gemeinsames Bild des Behandlungswegs, das auch nach dem Gespräch verfügbar bleibt.
„Die Therapiepläne erklären uns, was für Schritte geplant sind und wie wir zum Therapieende kommen.“
Die Idee entstand aus Dr. Jambors wissenschaftlicher Arbeit in der Biologie. Während ihrer Tätigkeit am Universitätsklinikum Dresden entwickelte sie zunächst schematische Darstellungen für klinische Studien. Denn insbesondere in der Wissenschaft, beispielsweise bei der Präsentation von Studien, ist es eine Herausforderung, große Datenmengen mit komplexen Informationen vereinfacht aufzubereiten, sodass sie leichter verständlich werden. Dabei erfuhr Dr. Jambor im Austausch mit Kolleg:innen, dass in der Vermittlung onkologischer Behandlungen Visualisierungen als Hilfsmittel für die Kommunikation mit den Patient:innen bislang nicht vorgesehen waren. Daraus entstand die Idee, Therapieabläufe auch für Betroffene grafisch darzustellen.
„Lernpsychologisch wissen wir natürlich, dass alle Menschen besser lernen, wenn es multimodal passiert. Das ist in der Psychologie absolut bekannt. [...] Und dann haben wir gedacht, es wäre doch eine schöne Lücke, die wir füllen.“
In ihren Studienergebnissen konnte Dr. Jambor nachweisen, dass visuelle Therapiepläne das Verständnis von Behandlungsabläufen deutlich verbessern. Die positiven Effekte waren nicht nur unmittelbar nach dem Aufklärungsgespräch messbar, sondern auch mehrere Wochen später. Zudem stieg das Sicherheitsempfinden der Patient:innen im Umgang mit ihrer Therapie. Viele Betroffene bewahrten die Pläne dauerhaft auf und nutzten sie auch, um den Angehörigen ihre Behandlung zu erklären. Die Visualisierungen stärken damit die aktive Beteiligung der Patient:innen an ihrer Behandlung. Sie fördern die sogenannte Therapieadhärenz (= Therapietreue) und sind auch bei der gemeinsamen Entscheidungsfindung im Rahmen von Gesprächen zwischen Ärzt:innen und Patient:innen hilfreich.
„Dieses Sicherheitsempfinden ist sehr stark nach oben gegangen, wenn wir eine visuelle Hilfe hatten.“
Nicht nur Patient:innen profitieren von den Therapieplänen. Auch Ärzt:innen nutzen die Visualisierungen als Orientierungshilfe im Gespräch. Nach zwei Jahren Einsatz am Universitätsklinikum Dresden wird das Material weiterhin regelmäßig verwendet und aktualisiert. Besonders für neue Mitarbeitende bieten die Pläne eine strukturierte Unterstützung - eine Art "Checkliste" - bei der Erklärung komplexer Behandlungsabläufe. Dadurch fördern sie eine konsistente Kommunikation innerhalb des Behandlungsteams.
„Und was wir jetzt gesehen haben in den zwei Jahren, in denen die Therapiepläne in Dresden zum Einsatz kommen, ist, dass es ungebrochene Nachfrage gibt. Das wird immer wieder ausgedruckt, das wird immer wieder verbessert oder wenn es sich leichte Änderungen ergeben, machen wir eine neue Version. [...] Das hilft natürlich auch den jungen Ärzt:innen ganz besonders.“
Die Visualisierungen basieren auf den etablierten onkologischen Leitlinien und bilden typische Behandlungsschritte ab. Gleichzeitig lassen sie bewusst Raum für individuelle Anpassungen und mögliche Abweichungen im Therapieverlauf. Die Pläne enthalten deshalb keine festen Termine, sondern lediglich grobe zeitliche Orientierungen. Nach Einschätzung von Dr. Jambor könnten sie grundsätzlich im gesamten deutschsprachigen Raum eingesetzt werden. Für eine breite Verfügbarkeit beispielsweise auf Onkopedia seien jedoch weitere technische und finanzielle Voraussetzungen notwendig.
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Die technische Umsetzung visueller Therapiepläne wird nach Ansicht von Dr. Jambor zunehmend einfacher. Verfügbare Symbolbibliotheken und digitale Werkzeuge ermöglichen eine weitgehend automatisierte Erstellung. Derzeit werden neue Konzepte gemeinsam mit Grafik- und UX-Designerinnen entwickelt und getestet. Ziel ist es, Erkenntnisse über die bestmögliche Darstellung medizinischer Informationen zu gewinnen. Die bestehenden Therapiepläne dienen dabei als Grundlage für zukünftige Anwendungen.
„Theoretisch braucht es keinen Grafiker, weil auch ein Computerprogramm einen Zeitstrahl erstellen kann.“
Für die Entwicklung der Piktogramne werden etablierte Kriterien der Verständlichkeitsforschung berücksichtigt. Die Symbole sollen möglichst intuitiv erkennbar und gleichzeitig inhaltlich passend sein. Dabei orientiert sich das Projekt an den ISO-Standards. Ergänzende Legenden helfen dabei, die Bedeutung einzelner Symbole eindeutig zu erklären. So soll sichergestellt werden, dass die Darstellungen von möglichst vielen Menschen korrekt verstanden werden.
„Icons sind nie selbstverständlich, die müssen immer gelernt werden.“
Viele Patient:innen erleben ihre Behandlung als Abfolge einzelner Termine, ohne den gesamten Verlauf überblicken zu können. Die visuellen Therapiepläne machen den geplanten Weg als zusammenhängendes Bild sichtbar. Gerade in belastenden Situationen können sie helfen, Informationen besser einzuordnen und zu behalten. Darüber hinaus sieht Dr. Jambor in den visuellen Hilfen auch großes Potenzial für andere medizinische Bereiche. Besonders bei Sprachbarrieren oder hoher emotionaler Belastung können Bilder die Kommunikation erleichtern.
„Die Sprachbarrieren können absolut fantastisch überbrückt werden mit visuellen Hilfen. Es ist nachgewiesen, dass es hervorragend funktioniert.“
Erwähnenswert: Die Vorarbeit für diese Art der Datenvisualisierung stammt aus der Risikokommunikation. Hier waren seit dem 1990ern die Arbeiten von Gerd Gigerenzer wegweisend.
"Das heißt, die Sprachbarrieren können absolut fantastisch überbrückt werden mit visuellen Hilfen. Es ist nachgewiesen, das es hervorragend funktioniert."
Für die Zukunft wünscht sich Dr. Jambor eine deutlich stärkere Nutzung visueller Kommunikation im Gesundheitswesen. Sie geht davon aus, dass der steigende Zeitdruck in der Versorgung den Bedarf an verständlichen Informationshilfen weiter erhöhen wird. Visuelle Werkzeuge könnten dazu beitragen, Routineinformationen effizienter zu vermitteln und mehr Raum für individuelle Gespräche zu schaffen. Die persönliche Interaktion zwischen Ärzt:innen und Patient:innen bleibt dabei zentral. Visualisierungen sollen sie ergänzen, nicht ersetzen.
„Ich hoffe einfach, dass wir eine viel, viel bessere Kommunikation bekommen zwischen Patient:innen und Ärzt:innen."
Dresden/Hamburg, 18.06.2026
Was sind visuelle Therapiepläne?
Visuelle Therapiepläne stellen Diagnosen, Behandlungen, Untersuchungen und Termine grafisch und leicht verständlich dar. Sie helfen Patient:innen, den Ablauf ihrer Behandlung besser nachzuvollziehen.
Welchen Nutzen haben visuelle Therapiepläne für Patient:innen?
Sie fördern das Verständnis für die eigene Erkrankung und das Wissen um den geplanten Behandlungsweg. Dadurch können Unsicherheiten reduziert und Gespräche mit dem Behandlungsteam erleichtert werden. Die Patient:innen fühlen sich stärker in die Therapie eingebunden, die Therapieadhärenz steigt.
Für welche Patientengruppen eignen sich visuelle Therapiepläne besonders?
Sie sind grundsätzlich für alle Patient:innen hilfreich. Besonders profitieren Menschen mit komplexen Krankheitsverläufen, Sprachbarrieren oder geringer Gesundheitskompetenz. Auch Angehörige erhalten dadurch einen besseren Überblick über die Behandlung.
Wie unterstützen visuelle Therapiepläne die Kommunikation im Krankenhaus?
Sie schaffen eine gemeinsame Verständigungsgrundlage zwischen Behandelnden, Patient:innen sowie Angehörigen. Wichtige Informationen werden transparent dargestellt und können jederzeit nachvollzogen werden. Das reduziert Missverständnisse und stärkt die Zusammenarbeit.
Können visuelle Therapiepläne in anderen Kliniken eingesetzt werden?
Ja, das Konzept ist grundsätzlich auf viele medizinische Fachbereiche übertragbar. Die Inhalte können an unterschiedliche Krankheitsbilder und Versorgungsprozesse angepasst werden. Damit bieten visuelle Therapiepläne großes Potenzial in der patientenorientierten Versorgung in verschiedenen Einrichtungen.
*KI-generiert
Intro/Outro: www.kurtcreative.de / Äußerungen unserer Gesprächspartner:innen geben deren eigene Auffassungen wieder. Die Christoph Lohfert Stiftung macht sich Äußerungen ihrer Gesprächspartner:innen in Interviews und Beiträgen nicht zu eigen. Headerbild: Bertram Solcher für den Lohfert-Preis 2015.